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Stephan Michael Schröder

DanLitStummFilm

WWW-Site zu dänischen Stummfilmdrehbuchschreibern
bis 1929 und der Interaktion zwischen der
dänischen literarischen Intelligenz und dem Kino bis 1918

Rosenkrantz, Palle

(1867-1941)

Baron, cand.jur. (1891), Autor (Mitglied in der Dansk Forfatterforening 1910, 1919; Danske Dramatikeres Forbund 1916) und Journalist (hauptsächlich für Politiken, u.a. 1911-14 Redakteur der Theaterzeitschrift Masken, 1911 kurzzeitig auch Besitzer der Zeitschrift). Marguerite Engberg (Dansk stumfilm - de store år. Kbh: Rhodos, 1977, 536) hatte P.R. zum künstlerischen Leiter von Filmfabriken Danmark gemacht, was Jan Nielsen (“De dødes Ø. The life and time of an outstanding Danish art film lost”. In: iichiko. A journal for transdisciplinary studies of pratiques 64 (Sonderheft zu Film and History I), 18-35) widerlegt hat. Nachweislich arbeitete P.R. jedoch 1913 für einige Monate als literarischer Konsulent für die Dania Biofilm und wahrscheinlich in dieser Funktion auch für Filmfabriken Danmark.


P.R. hatte schon frühzeitig die finanziellen Möglichkeiten der Filmmitarbeit erkannt. Bereits am 10.3.1909 hat er in seinem Regnskabsbog 1908-1919 (Privatarchiv Palle Rosenkrantz) den Verkauf eines Drehbuches mit dem Titel Dyveke notiert, das jedoch keinem bekannten Film zuordenbar ist. Ein Vertrag zwischen P.R. und der Nordisk über den Ankauf eines Drehbuches mit diesem Titel findet sich zudem im Firmenarchiv in Valby. Im Juni 1910 hat er der Nordisk ein nicht näher spezifiziertes ‘Arrangement’ vorgeschlagen (ein Vorkaufsrecht für Verfilmungen von P.R.’ Werken?), an dem diese jedoch kein Interesse zeigte (NBKB XIII:133). An einem Drehbuch mit dem Titel Blodbryllup war die Nordisk bei der gleichen Gelegenheit ebenfalls nicht interessiert (in seinem Rechnungsbuch werden für 1910 noch zwei weitere Drehbücher erwähnt (En klog lille Pige u. En tro Tjener), die er nicht absetzen konnte), man erbot sich jedoch, P.R. gute ‘Detektivstücke’ abzukaufen. Der erste nachweislich von P.R. geschriebene Film war jedoch eine Produktion der Kinografen, die noch 1910 das Drehbuch zu Menneskedyret/Dyret i Mennesket/Den stærkeres Ret (1911, Reg.-Nr. 937) erwarb. Ebenfalls 1911 kam der Film Dyrekøbt Glimmer/Hulda Rasmussen/Syndens Børn (Nordisk, Reg.-Nr. 1008) auf den Markt, zu dem P.R. gemeinsam mit Otto Gulman das Drehbuch geschrieben hatte (das NP kreditiert jedoch nur P.R. als Autor, ebenso wie bei Dødens Brud (1911, Reg.-Nr. 1046), das Engberg (1977/82) Otto Gulman zuschreibt - das erhaltene Filmprogramm macht keine Angabe zu dem oder den Drehbuchautoren). Mit der Nordisk führte P.R. 1913 dann vergeblich Verhandlungen über eine Adaption von sechs seiner Kriminalnovellen, doch erwarb die Firma von ihm lediglich die Verfilmungserlaubnis zu En farlig Forbryderske/En romantisk Historie (“En romantisk Historie”, in: Kriminalnoveller 1908; Nordisk 1913, Reg.-Nr. 1409; NBKB XXIII:865; das Drehbuch schrieb Laurids Skands). Auch bei der Dania Biofilm gelang es P.R. 1913, ein Drehbuch zu verkaufen (Lejla/Skolerytterskens Roman, Reg.-Nr. 1304). Doch seine ‘Hausfirma’ wurde in diesem Zeitraum Filmfabriken Danmark, die er publizistisch in Masken unterstützte und die fünf Filme nach seinen Drehbüchern drehte: De Dødes Ø (1913, Reg.-Nr. 1326), Hjertedoktoren (eine Adaption seines ungedruckten Dramas En Skriftefader (1900); 1913, Reg.-Nr. 1329), Mirzi (1913, Reg.-Nr. 1330), Guldhornene (nach Adam Oehlenschlägers Gedicht von 1802; 1914, Reg.-Nr. 1526) und Britta fra Bakken (1915, Reg.-Nr. 1789 - bei Engberg (1977/82) fehlt die Angabe zum Drehbuchschreiber).
Nicht bestätigen läßt sich anhand der Rosenkrantzschen Archivalien die von Arnold Hending (Lygterne tændes langs Vejen. Kbh: Kandrup & Wunsch, 1961, 172) referierte angebliche Erinnerung Harriet Blochs, daß der erste Film der von Valdemar Psilander gegründeten Valdemar Psilander Film 1917 ein “Palle Rosenkrantz Film” gewesen sei. Seltsamerweise hatte Arnold Hending dies schon bereits 1942 in seiner Psilander-Biographie ohne Quellennachweis behauptet (Valdemar Psilander. Kbh: Urania, 1942, 169), also zu einem Zeitpunkt, als er Harriet Bloch noch überhaupt nicht getroffen hatte. Das heute noch im DFI vorhandene Drehbuch Prøvens Dag, welches nachweislich das Drehbuch ist, mit dessen Verfilmung Psilander 1917 als einziges begonnen hatte, trägt jedenfalls keinen Verfassernamen.
In den zwanziger Jahren gelang es P.R. erneut, ins dänische Filmgeschäft einzusteigen. Zusammen mit Carl Theodor Dreyer schrieb er eine Adaption von Holger Drachmanns Der var en gang (1887) (Sophus Madsen 1922, Reg.-Nr. 2687), und zu dem Film Hendes Naade, Dragonen (Stephan-Klio Film 1925, Reg.-Nr. 2893) steuerte er das Drehbuch bei. Sein Erfolgstext Den røde Hane (1908 als Roman und Drama) wurde von Lau Lauritzen zu einem Fy-og-Bi-/Pat-und-Patachon-Film umgeschrieben, der als Ole Opfinders Offer 1924 erschien (Palladium, Reg.-Nr. 2805).
Zwei Dramen P.R.’ waren zu Beginn der 1910er Jahre bereits von der Malmöer Firma Frans Lundberg adaptiert worden, nämlich Den røde Hane (als Helvetesmaskinen eller Den röda hanen (1912/28)) sowie Betroede Midler (uraufgeführt 1910, eine Dramatisierung seines Romans Retsbetjente (1901); der Film erschien unter dem Titel Anförtrodda medel (1911/12), das Drehbuch hatte Agnes Nyrop-Christensen geschrieben). Auch später noch erscheint P.R. als Vorlagenautor in der schwedischen Filmproduktion, denn der Skandia-Film Mästerkatten i stövlar (1918/10) basierte auf P.R.’ Komödie Den bestøvlede Kat (1907) (das Drehbuch schrieben Sam Ask und John W. Brunius).


Erhaltene Drehbücher:

Nord D-Ns 831 Hulda Rasmussen (maschinenschriftl. Original ohne Autorennennung u. masch. Version der Nordisk);
Nord D-Ns 869 Dødens Brud (masch. Original ohne Autorennennung; masch. Nordisk-Version);
Nord D-Ns 1037 En romantisk Historie. Filmsskuespil efter Palle Rosenkrantz's Kriminalhistorie af samme Navn. Bearb. af Sk.[= Skands] (handschriftl. Original);
Ns-U 315 Prøvens Dag (masch. Version in zwei Ex., gestempelt "Psilander-Film"/ Optagelsesteater/ Strandparksvej/ Hellerup")


Literaturhinweise:

S. auch Dansk skønlitterært forfatterleksikon, Dansk Forfatterleksikon. Biografier, Dansk biografisk leksikon, Kraks Blå Bog 1941 und Jan Nielsen: A/S Filmfabrikken Danmark (Kopenhagen 2003).


Kinokonzession:

1914 (LfS, Protokol over bevilgede og nægtede andragender om biografbevillinger 354; RA J1 1914: P 8173) und 1921 stellte er vergeblich einen Antrag auf eine Kinokonzession.









Datenbankausdruck vom 19.12.2010 16:22:03