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Stephan Michael Schröder

DanLitStummFilm

WWW-Site zu dänischen Stummfilmdrehbuchschreibern
bis 1929 und der Interaktion zwischen der
dänischen literarischen Intelligenz und dem Kino bis 1918

Kidde, Harald

(1878-1918)

Cand.phil. (1899), Autor (Mitglied in der Dansk Forfatterforening 1910); Ehemann von Astrid Ehrencron-Kidde.


Nach H.K.s Erzählung “Utro” (1901) ist ein Szenarium angefertigt worden, dessen Verfilmung die Nordisk am 22.1.1914 als Prestigeproduktion mit ihrem besten Personal (u.a. mit dem Regisseur August Blom, dem Kameramann Johan Ankerstjerne, den Schauspielern Thorkild Roose u. Ebba Thomsen) begonnen, im Mai 1914 jedoch abgebrochen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Dreharbeiten bereits knapp 4.000 Kronen gekostet, u.a. 200 Kronen Autorenhonorar (‘Produktionsomkostningsbog’, DFI, IX:22). Ein solcher Abbruch von weit vorangeschrittenen Dreharbeiten ist höchst ungewöhnlich und evtl. in Zusammenhang mit der Frage zu betrachten, wer das Drehbuch zu Utro/Lægens Hustru geschrieben hatte. In KM(C):783 sowie im zitierten ‘Produktionsomkostningsbog’ wird H.K.s Name selbst genannt, doch könnte sich diese Nennung u.U. darauf beziehen, daß er die literarische Vorlage geschrieben hatte; ansonsten figuriert H.K. nirgendwo im nachgelassenen Material der Nordisk. In H.K.s veröffentlichtem und unveröffentlichtem Briefwechsel (in der KB) findet sich auch keinerlei Hinweis auf eine eventuelle Drehbuchtätigkeit. Dennoch gibt es starke Indizien dafür, daß das Drehbuch entweder von ihm selbst oder von seiner Ehefrau Astrid Ehrencron-Kidde stammt.
Das überlieferte Drehbuch ist eine (nachlässig) getippte Abschrift auf einer Papiersorte, die die Nordisk nachweislich mindestens seit Mai 1911 benutzt hat. Das Szenarium ist mit Sicherheit nicht von einem firmeneigenen Dramaturgen erstellt worden; die Aufmerksamkeit für Auftritte und Abgänge, der Verzicht auf Texttafeln etc. sowie das Verständnis von Darstellungskunst im Film als zeigepantomimisches Agieren entspricht nicht der Produktionspraxis der Nordisk um 1914, sondern indiziert eher einen mit dem Genre des Drehbuches unvertrauten Autoren. Da der Nordisk bekannt war, daß das Drehbuch auf eine Vorlage von H.K. zurückging und die Firma zu diesem Zeitpunkt für die Frage der Wahrung von Autorenrechten bereits stark sensibilisiert war, muß H.K. irgendwie - sei es als Drehbuchautor, sei es als derjenige, der die Verfilmungsrechte besaß - bei der Erstellung des Drehbuches involviert gewesen sein. Die Tatsache, daß kein Autorenvertrag mit ihm vorliegt und das Drehbuch nicht in KM(A/B) figuriert, ließe sich dadurch erklären, daß der Erwerb des Drehbuches oder der Verfilmungsrechte vor Mai 1911 lag, da Autorenverträge erst ab 1912 überliefert und die frühesten Einträge in KM(A/B) auf den 1.5.1911 datiert sind.
Ein Brief der Nordisk an H.K.s Ehefrau Astrid Ehrencron-Kidde, dat. 25.11.1909 (NBKB XI:639), in dem die Firma bedauert, auf Ehrencron-Kiddes Brief noch keine Antwort geben zu können, da man gerade den Regisseur wechselte, könnte ein Hinweis sein, daß das Drehbuch aus dem Haushalt der Kiddes stammte und während der ersten Literarisierungsphase 1909/10 von der Nordisk erworben wurde. Der Brief der Nordisk belegt, daß es sich um ein Anliegen gehandelt hat, bei dem der Regisseur ein entscheidendes Wort mitzureden hat - ein Anliegen wie ein Drehbuchankauf? Der bei der Nordisk im Dezember 1909 neu eingestellte Regisseur war Holger Rasmussen, der mit seinen guten Beziehungen zur Theaterwelt das Niveau der Filmproduktion bei der Nordisk in hegemonialkultureller Richtung heben sollte und während seiner kurzen Verweildauer in der Firma entsprechende Projekte betrieb - eine Verfilmung eines Textes von H.K. würde hier perfekt ins Bild passen.
Möglicherweise hatte die Nordisk das Drehbuch zu Utro also entweder von H.K. oder dessen Ehefrau um 1909/10 erworben, wobei - wie damals üblich - über den Ankauf kein formeller Vertrag geschlossen wurde. Der Abbruch der Dreharbeiten nach einigen Monaten im Mai 1914 könnte dann darauf zurückzuführen sein, daß ein mittlerweile kinokritischerer oder ökonomisch bessergestellter H.K. von der Verfilmung erfuhr und Einspruch gegen diese erhob, woraufhin der Nordisk die Vertragslage zu unsicher war, um ein juristisches Verfahren und gegebenenfalls später den Totalverlust des investierten Geldes zu riskieren.


Erhaltene Drehbücher:

Ns-U 481 Lægens Hustru [Titel auf Umschlag: Utro] (masch. Nordisk-Version)


Literaturhinweise:

S. auch Dansk skønlitterært forfatterleksikon, Dansk Forfatterleksikon. Biografier, Dansk biografisk leksikon, Kraks Blå Bog 1918 sowie die Seiten zu Harald Kidde in dem Arkiv for Dansk litteratur.









Datenbankausdruck vom 19.12.2010 16:22:03